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Klaus Tipke wurde 1925 im Kreis Stade/Niedersachsen geboren. Nachdem er für die letzten beiden Kriegsjahre noch zur Wehrmacht eingezogen worden und nach schwerer Kriegsverletzung gesundheitlich wiederhergestellt war, studierte er drei Semester Philosophie und sechs Semester Rechtswissenschaften in Hamburg. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen begann Klaus Tipke seinen steuerrechtlichen Beruf 1954 in der Finanzverwaltung Hamburg. Drei Jahre später wurde er an das Finanzgericht Hamburg berufen und war damals der jüngste Finanzrichter der Bundesrepublik.

Neben seinem Richteramt baute Klaus Tipke seine literarische Prominenz in kurzer Zeit aus. Von 1957 bis 1966 veröffentlichte er in Fachzeitschriften achtzig Beiträge zum allgemeinen Abgabenrecht, zum Steuerprozeßrecht, zum Einkommen- und Umsatzsteuerrecht. 1961/63 publizierte er gemeinsam mit Heinrich Wilhelm Kruse den Kommentar zur Reichsabgabenordnung. Von 1964 bis 1967 war er Lehrbeauftragter für Steuerrecht der Universität Hamburg.

Nach Köln wurde Klaus Tipke 1966 berufen, wo er am 1.1.1967 seine Lehrtätigkeit als Nachfolger von Armin Spitaler aufnahm. Zugleich beendete er seinen Richterdienst als Senatspräsident. Anfangs verirrten sich nur wenige Studenten in die steuerrechtlichen Vorlesungen, schon bald aber füllte Klaus Tipke den Hörsaal mehr und mehr. Dies lag zum einen an seiner überzeugenden Persönlichkeit und zum anderen daran, daß das Fach "Steuerrecht" an Prüfungsrelevanz gewann, indem es in Nordrhein-Westfalen - u. a. dank Klaus Tipkes Einsatz - selbständiges Wahlfach des rechtswissenschaftlichen Studiums wurde. Auch wurde "Steuerrecht" bald Wahlfach der WiSo-Studiengänge und somit schließlich zum "Fach der großen Hörsäle".

1973 erweiterte Klaus Tipke seine Vorlesungsskripte zu dem von ihm sog. "systematischen Grundriß Steuerrecht", der als "Tipke/Lang" zum Klassiker des deutschen Steuerrechts avancierte und bereits in der 21. Auflage erschienen ist. Wie kein anderer verstand es Klaus Tipke, komplizierteste Begriffe und Zusammenhänge zu entschlüsseln und ein scheinbar trockenes Thema geradezu belletristisch abzuhandeln (vgl. Lang, StuW 1985, 301, 304).

Klaus Tipke war der maßgebliche Mitbegründer der Deutschen Steuerjuristischen Gesellschaft, deren erster Vorstandsvorsitzender er wurde (1967 bis 1981) und deren Ehrenmitglied er heute ist. Von 1973 bis 1988 war Klaus Tipke Herausgeber der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Steuer und Wirtschaft (Zeitschrift für die gesamten Steuerwissenschaften)".

Mit seinen wegweisenden Arbeiten gilt Klaus Tipke als Gründer der sog. "Kölner Schule des Steuerrechts", die dem "Chaos der Steuergesetze" eine Ordnung des Steuerrechts entgegensetzen will. Die von ihm entwickelte Lehre des inneren Systems des Steuerrechts fordert die einsichtige und folgerichtige Ausgestaltung der Besteuerung auf der Grundlage allgemein akzeptierter, meist verfassungskräftiger Rechtsprinzipien. Seine gesamte wissenschaftliche Forschung gipfelt in dem dreibändigen Werk "Die Steuerrechtsordnung", das er 1993 publizierte. Klaus Tipke rückt darin das Thema "Steuergerechtigkeit und Steuerrechtfertigung" in den Mittelpunkt seiner Überlegungen und entwickelt eine der Steuerethik verpflichtete Steuerlehre (vgl. Kirchhof, StuW 1996, 3, 4). Weltweit findet sich kein Werk, das die Grundlagen des Steuerrechts umfassender darlegt. Wohl vor allem wegen seiner "Steuerrechtsordnung" wurde Klaus Tipke Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften.

Weitere maßgebliche Schriften von Klaus Tipke sind: Steuergerechtigkeit in Theorie und Praxis, 1981; Besteuerungsmoral und Steuermoral, 2000 (span. Übersetzung 2002), Justicia fiscal e principio da capacidade contributiva (mit D. Yamashita), Sao Paulo 2002; Einkommensteuer-Wirrwar, 2006; Innere Sicherheit und Gewaltkriminalität, 1998.

Klaus Tipke ist Ehrenmitglied des Instituto Brasileiro de Direito tributario, Sao Paulo, des Instituto internacional de estudios de direito do estado, Porto Alegre, des Consejo del Instituto universitario de estudios fiscales, Murcia.

Über Werk und Person von Tipke findet sich etwas in StuW 1985, 301; 1991, 194, 196; Steuerberater Jahrbuch 1993/94; Der Betrieb 1995, 2293; Finanz-Rundschau 1995, 761; Festschrift für Klaus Tipke, 1995; StuW 2001 Heft 1; 2005 Heft 4 (Festheft zum 80. Geburtstag), 2006 Heft 1.